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Corona: Wie Innenräume virenfrei gemacht werden können

Corona: Wie Innenräume virenfrei gemacht werden können

Im Sommer ist es einfacher, das Virus unter Kontrolle zu halten: Das Wetter ist meist schön, die Menschen können sich viel draußen aufhalten – wo das Risiko, sich anzustecken, geringer ist. 249 neue Corona-Infektionen haben die Gesundheitsämter in Deutschland nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) innerhalb eines Tages gemeldet.

Viele davon gehen auf einen neuen Ausbruch in einem Schlachtbetrieb zurück – wo die Mitarbeiter sich bei der Arbeit eben nicht draußen aufhalten können. Unter den Mitarbeitern des zur PHW-Gruppe (Wiesenhof) gehörenden Hähnchenschlachthofs Oldenburger Geflügelspezialitäten in Lohne im Landkreis Vechta sind mindestens 66 Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. 157 Personen sind in Quarantäne, der Landkreis ermittelt gerade weitere Kontaktpersonen.

In geschlossenen Räumen gibt es oft wenig Luftaustausch. Wer sich eine längere Zeit mit vielen anderen Leuten drinnen aufhält, hat eine erhöhte Gefahr, sich etwa mit dem Coronavirus zu infizieren. Wie dieses verbreiten sich auch viele andere Erreger über die Luft.

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Auch der große Corona-Ausbruch im Tönnies-Werk in Rheda-Wiedenbrück könnte auf Luftübertragungen zurückgehen. Um die Luft dort auf niedrige Temperaturen zu bringen, werde diese aus dem Raum gezogen, gekühlt und zurückgebracht, sagte der Hygieneexperte Martin Exner von der Uni Bonn. Er schlug Hochleistungsfilter und UV-Strahlen vor, die verhindern sollen, dass Viren künftig über solch ein System verteilt werden.

Spätestens nach diesen Erkenntnissen stellt sich die Frage: Wie können Innenräume wirklich Corona-frei gemacht werden und es auch bleiben? Ein Überblick über die verschiedenen Ansätze:

Hochleistungsfilter

Die von Exner empfohlenen Hochleistungsfilter, auch Hepa-Filter genannt, werden schon seit vielen Jahren beispielsweise in Operationssälen von Krankenhäusern eingesetzt. Sie bestehen aus synthetischen Fasern, die in mehreren Lagen übereinandergeschichtet werden, erklärte Krankenhaushygieniker Michael Pietsch von der Universität Mainz.

Partikel werden ihm zufolge von dem Filter durch verschiedene physikalische Effekte auf den Fasern abgeschieden und verbleiben dort. Auch Coronaviren könnten so herausgefiltert werden.

Vernebelung

Einige Unternehmen und Veranstalter desinfizieren Räume durch die Vernebelung mit Desinfektionsmitteln. Dabei kommen verschiedene Mittel zum Einsatz, die teilweise nicht ganz ungefährlich sind. Seit über 100 Jahren werde etwa die Raumdesinfektion mittels Formaldehydverbreitung eingesetzt, erklärte Krankenhaushygieniker Pietsch. Der Aufwand dafür sei allerdings sehr hoch, außerdem könne Formaldehyd Krebs auslösen, wodurch ein Raum nicht sofort betreten werden dürfe.

Alternativ wird auch Wasserstoffperoxid eingesetzt. Ein Vorteil sei der rückstandslose Zerfall in Wasser und Sauerstoff, so Pietsch. Allerdings muss auch bei dieser Methode ein längerer Zeitraum abgewartet werden, da Wasserstoffperoxid beim Einatmen gesundheitsschädlich sein kann.

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Für Allergiker verträglich und natürlich abbaubar soll das Mittel sein, welches das Berliner Ensemble zur Raumdesinfektion ausprobiert. Das nach Angaben des Theaters ungefährliche Desinfektionsmittel Amoair werde über ein Vernebelungsgerät oder ein vorhandenes Lüftungssystem in der Luft verteilt. Ein erster Probedurchlauf habe gezeigt, dass etwa 99 Prozent der im Raum befindlichen Bakterien und Viren durch den Nebel zerstört werden konnten.

UV-Bestrahlung

Bakterien und Viren können durch UV-Strahlen abgetötet werden. Zur Raumdesinfektion eignet sich die Methode aber wohl kaum: Damit die Strahlen überhaupt wirken, sollte der Abstand zwischen Strahlungsquelle und Gegenstand 10 bis 30 Zentimeter betragen, so der Mainzer Hygieneexperte Pietsch.

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„Eine Raumluftdesinfektion wäre nur möglich, wenn die Luft bewegt wird und dadurch Keime immer wieder an der Strahlungsquelle vorbeigeführt werden.“ In der Lebensmittelindustrie kann das Verfahren dennoch sinnvoll eingesetzt werden, etwa zur Desinfektion von Verpackungsfolien.

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Klimaanlagen

Gängiger als aufwendige Desinfektionsverfahren sind wohl Klimaanlagen. Sie sorgen für eine Frischluftzufuhr von außen und kühlen oder wärmen diese: Die alte Luft wird abgesaugt und dann entweder nach außen abgegeben oder gemeinsam mit Frischluft wieder in den Innenraum gebracht. „In jedem Fall kommt es zu einer Verminderung auch der Keimkonzentration in der Innenraumluft“, sagt Pietsch.

Der Bundesindustrieverband Technische Gebäudeausrüstung (BTGA) empfiehlt für gekühlte Räume mit Umluftbetrieb, die es etwa in Schlachtbetrieben gebe, Klimaanlagen mit hochwertigen Filtern. Bei Anlagen in Büros, Hotels, Shoppingmalls oder Kongresscentern biete ein hoher Außenluftanteil den besten Infektionsschutz.

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„Wir empfehlen gerade in Situationen, wie wir sie derzeit erleben, den Umluftanteil bei Klima- und Lüftungsanlagen so gering wie möglich zu halten“, rät BTGA-Präsident Hermann Sperber. Nach Angaben des Verbands kann eine Übertragung von Coronaviren über Lüftungs- oder Klimaanlagen nahezu ausgeschlossen werden, wenn die Anlagen fachgerecht betrieben und regelmäßig gewartet werden.

Lüften

Aber auch ohne große technische Gerätschaften kann das Infektionsrisiko in Innenräumen gesenkt werden: Stoßlüften mit weit geöffneten Fenstern sorgt am schnellsten für einen Luftaustausch.

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Ansteckung durch die Luft

„Meist sind Innenräume wärmer als die Außenluft, sodass es einen Luftzug von innen nach außen gibt. Dadurch kann eine eventuelle Viruskonzentration im Innenraum vermindert werden“, erklärte Hygieneexperte Pietsch. Zudem verringert sich damit auch die Gefahr einer Ansteckung über Aerosole. Hundertprozentig ausschließen lässt sich eine Infektion so aber nicht.

Masken und Abstand

Auch wenn es alle schon unendliche Male gehört haben: Das Tragen von Masken und das Einhalten der Abstandsregel sind auch weiterhin wichtige Maßnahmen zum Schutz vor einer Corona-Infektion.

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Auch das Tragen eines einfachen Mund-Nasen-Schutzes kann einen Luftstrom deutlich minimieren.

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Korbinian Geissler

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