Amateurfußballverein in der deutschen Kohlenregion will klimaneutral werden - EURACTIV.com

Amateurfußballverein in der deutschen Kohlenregion will klimaneutral werden – EURACTIV.com

SG Eintracht Peitz hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt. Umgeben von einigen der umweltschädlichsten Fabriken Deutschlands will es der erste klimaneutrale Amateurclub in Deutschland werden. EURACTIV Deutschland Berichte.

„Wenn der Wind schlecht ist und aus Nordosten kommt, bläst uns die Luft aus dem Kraftwerk“, sagte Sebastian Bubner, Vorsitzender von Eintracht Peitz, über das Kohlekraftwerk in Jänschwalde. Es liegt nur wenige Kilometer entfernt und ist einer der notorisch schlechten Umweltverschmutzer.

Der Club hielt es für entscheidend, dieses Problem “jetzt mehr denn je” anzugehen, und schmiedete einen Plan: Klimaneutralität bis 2023.

„Wir wollten Pioniere sein und uns positiv weiterentwickeln“, erklärte Bubner.

Die brandenburgische Lausitz, in der der Verein seinen Sitz hat, ist eine der größten Kohleregionen in Deutschland. In unmittelbarer Nähe des Clubgeländes Eintracht Peitz wird die Braunkohle abgebaut, verbrannt und in Elektrizität umgewandelt.

Angesichts des nächsten Ausstiegs aus der Kohle im Jahr 2038 steht die Region jedoch vor einem großen Strukturwandel. Arbeitslosigkeit, Migration und Lohnkürzungen könnten die Lausitz in den kommenden Jahren beeinträchtigen. Der Verein möchte dem entgegenwirken, indem er auf die Region und ihren Innovationswunsch aufmerksam macht.

Proaktiver Strukturwandel

Ein proaktiver Strukturwandel könnte die Folgen des Ausstiegs aus der Kohle neutralisieren und das Ausmaß von Migration und Arbeitslosigkeit verringern.

Eintracht Peitz hat beschlossen, mit seinen 200 Clubmitgliedern etwas zur positiven Entwicklung der Region beizutragen. Ziel ist es, durch verschiedene Maßnahmen eine Netto-Null-Emission zu erreichen – also Klimaneutralität.

Die Idee kam von Bubner. Nach der Installation einer Photovoltaikanlage auf dem Dach der Clubanlagen begannen die Mitglieder, ihre Emissionen genauer zu untersuchen.

“Wir haben uns angesehen, was wir verbrauchen und was wir mit der PV-Anlage sparen”, sagte Bubner. Dies beinhaltete das Zählen aller Fahrten zum und vom Club und alles, was auf dem Spielfeld passiert. Das Ergebnis: Eintracht Peitz stößt 25 Tonnen CO2 pro Jahr aus und spart dank der PV-Anlage derzeit 12,5 Tonnen.

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Während das genug Strom ist, um fünf Millionen Kilometer in einem Segway oder 1,2 Millionen Kilometer in einem Elektroauto zu fahren, schreibt der Rest rote Zahlen. “Unser Ziel ist es also, diese rote Zahl in den nächsten drei Jahren loszuwerden, um wirklich klimaneutral zu sein”, sagte Bubner gegenüber EURACTIV Deutschland.

Die PV-Anlage des Vereins wurde schnell erweitert, um noch mehr Strom zu produzieren. In der Zwischenzeit versorgt das Werk das Stromnetz von Peitz sogar mit Ökostrom. Es ist bereits geplant, das System im Jahr 2021 noch weiter auszubauen.

Mit dieser Idee bewarb sich Eintracht Peitz um die Auszeichnung „Great Star of Sport“. Der vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) ins Leben gerufene Wettbewerb würdigt das gesellschaftspolitische und ehrenamtliche Engagement im Sportbereich.

Auf brandenburgischer Landesebene hat die Eintracht Peitz bereits im Oktober die Auszeichnung „Big Silver Sport Star“ erhalten. Im nationalen Finale am 18. Januar 2021 wurden sie für den Gold Star nominiert und konnten Geldpreise in Höhe von 10.000 € erhalten.

Pflanzen Sie Bäume und einen grünen Kleinbus

Der Verein hatte sich mit der im Frühjahr stattfindenden Kampagne „Peitz ist grün – Ostereier zur CO2-Neutralität“ beworben. Im Rahmen dieser Initiative pflanzte der Club Bäume, um die Emissionen auszugleichen.

Eintracht Peitz will auch seine Emissionen direkt reduzieren. Zu diesem Zweck kauft der Verein einen emissionsmindernden Kleinbus, um so umweltfreundlich wie möglich zu sein, wenn Jugendmannschaften zu Auswärtsspielen gehen.

„Wir möchten unsere Mitglieder auch dazu ermutigen, zu Hause CO2 zu sparen, und wir schulen sie sogar dazu“, erklärte Bubner.

Das nächste große Ziel ist ein Scheinwerfersystem, das ausschließlich aus LED besteht und wenig Strom verbraucht. “Dies sind die Früchte”, sagte Bubner und sollte so schnell und einfach wie möglich umgesetzt werden.

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Bubner sieht eine langfristige Herausforderung, die auch weit über das Dreijahresziel hinausgeht, wie die langfristige Integration von Kindern in den Verein und in die Region. “Das ist die ganze Idee, warum wir das alles tun”, sagte er.

Junge Menschen sollten nicht migrieren, sondern in der Region bleiben und sich mit der Lausitz identifizieren. “Wir möchten, dass sich unsere Mitglieder so wohl fühlen, dass sie hier bleiben.” Die Lausitz muss ihr Image als Umweltverschmutzer loswerden und sich einen Ruf als zukunftswürdige Region erarbeiten.

Der erste Schritt für Eintracht Peitz besteht darin, den Verein klimaneutral zu machen. Für Bubner ist dies kein ungewöhnliches Unterfangen, “denn was ist für eine Kohlenregion besser, als an morgen zu denken?”

[Edited by Zoran Radosavljevic]

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